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 Betreff des Beitrags: Erfolg in der Dämmerung
BeitragVerfasst: Montag 4. Mai 2009, 08:44 
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Wohnort: Landsberg/Lech
Hallo Hundlinge,

wie an so vielen Morgenden im Mai, begann mein Tag heute um 4:30 Uhr.

4:50 Uhr

Ankunft draußen auf dem Hochsitz.
Mit an Bord waren natürlich auch Lana und Max, allerdings mussten sie im Auto
bleiben.

Da saß ich nun in einer Kiesgrube ungeschützt gegen den Wind und den ab und zu einsetzenden, leichten Regen.
Stockdunkel ist es noch, hätte ich einen Hochsitz im Wald gewählt, würde ich noch garnichts sehen.
Die Vögel pfeifen so laut, dass ich kaum andere Geräusche warnehmen kann.

5:35 Uhr

Der Wind peitscht unangenehm und der leichte Regen legt sich lagsam schwer auf meine Faserpelzweste. Ich habe eine Regenhose und einen Poncho dabei, wird wohl Zeit, dass ich sie anziehe. Oder wechsel ich den Hochsitz, der Wind ist ja eher ein Nachteil.
Ob der Wechsel was bringt??? Du hast hier schon vor Wochen etliche Trittsiegel gefunden, und sogar einiges an Losung.


5:44 Uhr

Jetzt grüble ich schon fast 10 Minuten. Ich bleibe wohl sitzen, eine Decke aus dem Rucksack um mich gewickelt: "Scheiß Wind" höre ich mich leise murmeln.
Selbstgespräche?? Mir wird wohl langweilig.......

5:46 Uhr

Endlich, ein leichtes rascheln im Hang ostwärts unter mir. Ob das was ist??
Vielleicht auch nur wieder ein Vogel.
Nein, es wird lauter, da kommt doch was.
Ein Fuchs?? Ein Dachs??
Da, durch ein paar junge Buchen etwas braunes.
EIN REH!!!!
Meine Hand fährt langsam zu meiner Blaser R93 und mein Daumen schiebt
den Handspanner geräuschlos nach oben. "Sehr gut"

Ich lege an, 35 Meter vor mir tritt das Reh auf eine mit Kräutern bewachsene Freifläche
in meinem Zielfernrohr könnte ich die einzelnen Haare des Tieres zählen.
Es hat nichts auf dem Kopf, kein Bock also.
Ist es ein Schmalreh?? Oder doch eine Geiß, die ich nicht schießen dürfte??
Das ist ein Schmalreh, recht schwach, der Winter war wohl schwerer als ich dachte.
Ich habe das Blatt voll im Fadenkreuz. "Ruhe bewahren"
Das ist das erste Reh in 2 Jahren, welches du vom Ansitz aus schießen wirst.
10 Sekunden hab ich das Reh in Sicht soviel passiert in so kurzer Zeit.
"Jetzt steht es gut, es ist soweit" mein Finger krümmt sich.
Der ohrenbetäubende Schlag überrascht mich immer wieder.

5:46 Uhr

Die Kugel muss getroffen haben, das Reh macht einen Satz, von einer Mindesthöhe von 1,90 Metern.
Treffer!!!
Das Reh kommt wieder am Boden auf.
Doch es bleibt nicht wie vermutet sofort liegen. In seinem Adrenalinschock prescht es davon. Doch ein schlechter Schuss?? Mist!!!
Runter vom Sitz und an die vermutliche Anschussstelle.
NICHTS, verdammt.....

Komm schon, das Reh hat deutlich gezeichnet, da muss was sein.
Ich dreh mich nach rechts. Da zwei Meter weiter, eine Menge hellroter Schweiß.

5:50 Uhr

Max bekommt die Schweißleine und die Halsung angelegt, er springt wortwörtlich im Dreieck, wenn er noch zwei drei Schläge mehr mit dem Schwanz pro Sekunde packt, hebt er sicher ab wie ein Helikopter [aetsch.gif]
Ab an die Anschussstelle, Max setzt die Nase an: "Max, such verwundt!!!"
Er wirft sich in die Leine, erstaunlich nur 5kg Hund, aber er zieht doch enorm an.
Meine Augen sind auf den Boden gerichtet. Genau da wo der "Größe" läuft ist immerwieder Schweiß zu sehen. Das sieht gut aus, finde ich.
Max lässt sich nicht beirren. Ich muss das Komando nicht einmal wiederholen.
Schön, es ist ja erst eine dritte Schweißfärte außerhalb der Prüfungsvorbereitungen.

Er verschwindet vor mir in der Dickung, ich lasse die Leine aus der Hand gleiten, schiebe mich durch einen dichten Fichtenschupf und greife als ich durch bin die Leine wieder auf.
Max ist ca. 7 Meter vor mir, als die Leine ihre Spannung verliert.
Hat er es gefunden??
Ich schiebe mich durchs nächste Dickicht. Er hat es. Er beißt wieder in den Hinterlauf und schüttelt das Reh soweit es geht. "Ja super Maxi, feiner Maxi, ja so ein braver!!!"

Das Tier hatte noch den Hang geschafft und auf der ebenen Fläche noch ca 15 Meter.
Gemerkt hat es sicher nichts mehr, aber immernoch beachtliche 30-40 Meter zurück gelegt.

Max läuft mit vor Stolz schwielender Brust vor mir her, wärend ich das Reh hinter im her schleife. Als ich den Hang endlich oben bin, bekommt Max etwas schweißiges
Wildmatsch aus dem Schuss. Er freut ich riesig.

Er wird mit den Jahren sicher ein toller Schweißhund werden. Ohne ihn hätte ich das
erlegte Tier warscheinlich nie gefunden.
Auf dem dunklen, nassen Boden war der durch den Regen schon leicht verwaschene Schweiß nur schwer zu sehen.
Aber Maxis Nase übertrifft sogar meine 140% Sehfähigkeit. [Hundschlaeft.gif]

_________________
Grüße

Christian


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 Betreff des Beitrags: Re: Erfolg in der Dämmerung
BeitragVerfasst: Montag 4. Mai 2009, 08:53 
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Erstmal: Waidmannsheil [z_puppy.gif]

Schöner Bericht, mitten aus dem Jägerleben gegriffen und doch so fern für uns Nichtjäger.

Max hat das auch wieder prima gemacht, wird ein ordentlicher Schweißhund. [c010.gif]
Mit Lana trainierst du nicht auf Schweiß, oder? Die hat andere Zuständigkeitsbereiche?

_________________
Liebe Grüße aus München

Mellie und Sherlock


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 Betreff des Beitrags: Re: Erfolg in der Dämmerung
BeitragVerfasst: Montag 4. Mai 2009, 09:01 
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Morgen Mellie,

ich versuche mein Bestes. Falls jemand was nicht versteht, einfach fragen.
Ich verfasse eventuell heute noch einen Beitrag über die Schweißarbeit.

Waidmanns Dank

Ich trainiere "nicht mehr" auf Schweiß, sie ist einfach zu unruhig und lässt sich
leichter von Gesundfährten ablenken.
Wobei, des sind in meinem Revier auch net so krass viele wie auf den Übungsplätzen damals.

Wobei es nicht schlecht wäre, wenn sie es könnte. Da sie falls ich echt mal schlecht schieße auch die Kraft hätte ein krankes Stück Wild zu fangen und zu halten.
Das sie das kann hat sie auf einer Drückjagd im Winter schon bewiesen.

Aber Max ist einfach der bessere auf der Fährte, vielleicht bring ich Lana bei, hinten mit mir zu gehen und bei Bedarf, das Tier zu fangen

_________________
Grüße

Christian


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 Betreff des Beitrags: Re: Erfolg in der Dämmerung
BeitragVerfasst: Montag 4. Mai 2009, 09:28 
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Also wenn du einen Beitrag über Schweißarbeit schreiben würdest, wäre ich dir definitiv zu Dank verpflichtet. Wäre sehr interessant mal das ganze aus deiner Sicht zu lesen!

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LG Steffi, mit Kira und Kane sowie dem Chaotenhaufen
Die Wellizucht in Niederbayern: http://wellizuchtbiller.npage.de


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 Betreff des Beitrags: Re: Erfolg in der Dämmerung
BeitragVerfasst: Montag 4. Mai 2009, 10:27 
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Du machst das schon prima.
Ich merk nur immer mehr, je mehr ich les, ich muss das alles mal live erleben. Ich find den ganzen Bereich einfach super faszinierend.

Dacht ich mir, dass sie da eher auf die Gesundfährten gehen will.
Max ist ja nunmal ein komplett anderer Hund.
Ist andererseits auch praktisch, wenn man zwei Hunde hat die man auf verschiedene Sachen spezialisieren kann.
Hast du für eine Nachsuche schonmal ein Profi-Team rufen müssen? Bzw. gibt es bei euch welche die zur Verfügung stehen und wenn ja welcher Hund/Rasse wird geführt?
War das jetzt ne Nachsuche oder ne Bergehilfe (ist glaub ich nur, wenn man sicher ist, das es ne kurze Strecke ist und das Stück dort verendet, also keine Wundbetten etc.) oder wie? Ich bin da noch schwammig mit den Begriffen. Die Jägerlein streiten sich da wohl selber oft, ob das jetzt ne schwierige Nachsuche war oder nicht.

Das Dackelchen das Stück nicht niederziehen kann ist klar. Die Idee mit dem Beihund wollte ich auch gerade angreifen. Ob das möglich ist, wenn sie zur Nachsuche mitkommt und dann im Zweifelsfall geschnallt werden kann. Also ob das möglich ist oder ablenkt bzw. Max dann durch das Fehlen des evtl. letzten Stückchens Erfolg (also Rankommen ans Stück) die Motivation langfristig verleidet wird. Aber ich denk dazu ist das bei Schweiß zu intensiv für nen Hund. Kannste ja in keiner Weise mit Mantrailing etc. vergleichen.

Achja nimm dich in Acht, doofe und nervige Fragen werden von meiner Seite immer mehr kommen, je mehr du in dem Bereich schreibst. Nur so als kleine Vorwarnung, bitte auf keinen Fall dadurch einschüchtern oder vom Schreiben abhalten lassen.

Schönen Gruß an die erfolgreiche Viecherei.
Hoffe das WE war nicht allzu anstrengend sondern auch ein bisschen erholsam.

_________________
Liebe Grüße aus München

Mellie und Sherlock


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 Betreff des Beitrags: Re: Erfolg in der Dämmerung
BeitragVerfasst: Montag 4. Mai 2009, 11:25 
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Hallo Mellie,

ja die fade Theorie [bindagegen.gif]

Ich bin eher der Praktiker.
Profi-Teams??? Wenn wir schon keine Profis sind ;)
Aber nein, wir haben noch keinen reinen Schweißhund gebraucht.
Ein Kollege hat einen Wachtel, der super auf der Sweißfährt arbeitet.
Wir kommen also, mit unseren Allroundern ganz gut aus.

Das war eine Totsuche ;) Ich war mir anhand der Schweißmenge recht sicher, dass das Stück liegt. Aber das weiß man ja vorher nie so genau.

Es hätte ja ein Wundbett geben können.

Bergehilfe sagt kein Mensch bei uns, der Hund hat ja schließlich NACH dem Wild GESUCHT.

Ob Totsuche oder lange Schweißfährte is mir da egal :)
Nachsuche ist Nachsuche :D

Allerdings war sie für den Max sicher nicht schwer, dafür ging es ihm zu leicht von der Hand ;)

Falls ich Lana zur Begleithündin machen würde, und es käme dazu, dass ich sie schnalle, dann wird Max natürlich automatisch mit geschnallt, damit er "helfen" kann.

Dann bleibt auch die Motivation. Ich suche das Blut und fange am Ende ein Reh.


Fragt nur :)
Wann bekomm ich eigentlich endlich ne eigene Rubrik :P

_________________
Grüße

Christian


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 Betreff des Beitrags: Re: Erfolg in der Dämmerung
BeitragVerfasst: Montag 4. Mai 2009, 11:41 
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Sofort bekommst du die.

Wer so brav schreibt, hat sich das verdient.

Ich recherchier das mit der Bergehilfe mal, ich find den Begriff auch komisch, hab ich aber schon öfter gelesen.

Bin ja auch blöd, klar kann man den Max auch einfach mitlaufen lassen. Tja Montag morgen und Mellie ist noch net fit.

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Liebe Grüße aus München

Mellie und Sherlock


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